Die Große Tulln – Ein schlummerndes Juwel

News aus dem Revier

Allgemeines zum Revier

Die Große Tulln entspringt als Laabenbach am Pass Klammhöhe im Südosten des Bezirks St. Pölten und fließt am Fuß des Schöpfls nach Norden über Neulengbach (wo sie ab der Einmündung des Anzbaches Große Tulln heißt, bis sie nach insgesamt circa 40 km östlich der Rosenbrücke bei Tulln im Bezirk Tulln in die Donau mündet (177 m ü. A.).Die Große Tulln stellt die Westgrenze des Wienerwalds im engeren Sinne dar.

25 Kilometer Fischwasser vor den Toren Wiens. Das Fischerreirevier Große Tulln I/1 erstreckt sich über 25 Kilometer befischbare Strecke von der Glashütte bei Laaben bis Plankenberg. Im oberen Abschnitt ist es ein reines Salmonidenwasser mit den Leitarten Koppe und Bachforelle. Hier finden Fliegenfischer noch autochtone Wienerwald-Stämme der Bachforelle, die sich über die Jahrtausende perfekt an die Bedingungen angepasst haben.

Prachtexemplar einer heimischen „Wienerwald-Forelle“. Kleine Punkte, leicht gelblicher Bauch – Perfekt an die Bedingungen angepasst.

Ab St. Christophen gesellen sich Barben und die Leitart Döbel (regionale Bezeichnung Aitel) dazu. Ein unterschätztes Vergnügen ist neben dem Spinnen auf Bach- und Regenbogenforellen hier das Stoppelfischen auf den Aitel. Mit Kirsche oder Brot, mit der Stationärrolle oder britisch mit der „Centrepin“ – hier beißen kapitale Tiere mit über 50 Zentimetern Größe.

Stoppelfischen auf den Aitel. Gerne auch britisch mit Bambusrute und „Centrepin“.

Der unterste Revierabschnitt von Plankenberg aufwärts bis zur Fußgängerbrücke in Siegersdorf ist seit 2019 von der Donau frei für wandernde Fische passierbar. Schwärme an Nasen und Barben sind seither zugewandert. Auch Hecht und Barsch sind inzwischen in diesem Abschnitt wieder heimisch. Hier ist neben den oben erwähnten Fischarten auch das Grundangeln auf Barben oder Nasen sowie das Spinnen mittels Gummifisch auf Räuber möglich.

Fiel auf den alten Käse-Trick herein: Dicke Barbe mit Feederrute – ein 1a-Drill.

Schongebiet für Wienerwald-Bachforellen. Der Größte Zubringer der Großen Tulln ist der Anzbach. Der Anzbach ist ein Wienerwaldbach, der ziemlich genau in Ost-West-Richtung fließt. Er entspringt bei Rekawinkel am Zwickelberg (an dem auch ein Quellbach der Wien entspringt) und durchfließt EichgrabenMaria-Anzbach und Neulengbach und mündet dort in den Laabenbach. Der Anzbach wäre an sich befischbar, ist aber wie alle anderen Zubringer im Revier Schongebiet für den autochtonen Stamm der Bachforellen.

Fischer schaffen Lebensraum im geschundenen Fluss. Die Große Tulln durchfließt eine Kulturlandschaft und ist meist hart reguliert. Im Herzen des Reviers befindet sich der Schaubergerpark, ein Stück unregulierter Au. Hier zeigt sich das Potenzial dieses Flusses: Kiesbänke, Kolke und Totholzstrukturen stellen einen unvergleichlichen Lebensraum dar. Der Fischereiausübungsberechtigte sieht es als oberstes Ziel an, auch die stark regulierten Flussabschnitte wieder etwas naturnäher zu gestalten. Ziel des Bewirtschafters ist, etwaige Gewinne aus dem Verkauf von Lizenzen in Renaturierungsprojekte zu investieren. Ein erstes Projekt konnte mit Eigenmitteln und Förderungen des NÖ-Landesfischereiverbandes in Plankenberg umgesetzt werden. Hier strukturieren seit Herbst 2019 Steinbuhnen das regulierte Flussbett und schaffen so eine Kolk-Furt-Struktur, der vielen Fischarten als Lebensraum dient.

Errichtung von Steinbuhnen bei Plankenberg im Herbst 2019.

Einziger Fluss ohne Wasserrecht birgt enormes Potenzial. Die Große Tulln hat unter den mittleren und großen Flüssen Niederösterreichs ein Alleinstellungsmerkmal. Sie ist der einzige Fluss, auf dem von der Quelle bis zur Mündung kein Wasserrecht mehr existiert. Das bedeutet, dass der Flusslauf auf der gesamten Länge ohne Restwasserstrecken und Ausleitungen für die Fische passierbar gemacht werden kann. Derzeit existieren im Mittellauf noch sieben Querbauwerke, die nach und nach im Zuge der Wasserrahmenrichtlinie rückgebaut werden.

Leicht erreichbar zur Lizenz. Das Fischerreirevier Große Tulln I/1 ist leicht über die A1 erreichbar. Die Abfahrten Altlengbach und St. Christophen befinden sich direkt am Revier. Mit der alten Westbahn erreicht man ab Westbahnhof in 34 Minuten die Station Neulengbach Stadt. Von hier sind es kaum zwei Minuten bis zum Wasser. Jahreslizenzen und Tageslizenzen sind erhältlich. Mit jeder Lizenz werden Projekte zur Renaturierung unterstützt.

Mitten in der Stadt, zwei Minuten von der Westbahn. Die Reviermitte.

Begeisterung schafft Allianzen für den Fluss. Die Fischereisaison beginnt am 1. April und endet am 30. November. Zwischen Weihnachten und Neujahr ist der unterste Revierabschnitt zum Altjahresangeln geöffnet. Ziel der Bewirtschaftung ist es auch, Interessierte vom Potenzial dieses Flusses zu begeistern. Deswegen würde ich mich freuen, Interessierten dieses Revier auch persönlich näherzubringen. Sei es mit Wanderungen oder mit begleitenden „Guiding“ beim Angeln am Wochenende. Anfragen bitte an o.hicker@kabsi.at.