Auf der Suche nach den letzten Wienerwald-Forellen

Auf der Suche nach den letzten Wienerwald-Forellen

Oberer Revierteil: Mit Spinner im kleinen Bach: Geht auch, besser ist es aber mit Tenkara oder Fliegenrute.

Meist steht der untere Revierteil, der für Donaufische frei erreichbar ist im Fokus der Berichte auf dieser Seite. Klar: Die Schwärme an Barben, Nasen und Russnasen, die ins Revier zum Laichen kommen ist beeindruckend. Bei all der Begeisterung übersieht man aber oft, wie vielseitig das Revier ist. Insgesamt besteht es aus 25 Kilometern befischbarer Strecke zwischen Glashütte und Plankenberg.

Video: Auf Expedition im Laabental auf der Suche nach der Wienerwaldforelle

Der obere Revierteil ist urtümlicher als der regulierte untere Abschnitt. Klar, der Laabenbach ist auch kleiner, bewachsen und schwerer zu befischen. Auch riesige Forellen wie im unteren Revierteil wird man dort vergeblich suchen. Trotzdem hat der Abschnitt seinen Reiz – und er beherbergt einen Schatz. Da oberhalb von Neulengbach seit Jahrzehnten nicht besetzt wird, kann sich dort und in den zahlreichen Nebenbächen ein besonderer Fisch halten – Die Wienerwaldforelle.

Wertvoller Fang: Wienerwaldforelle aus einem Kolk in Innermanzing.

Für Laien könnte es sich um eine normale Bachforelle handeln. Der Kenner sieht aber sofort: Der gelbe Bauch, die karmesinroten Punkte, das Muster: Diese Forellen sind Wienerwald-Forellen. Seit Jahrtausenden hat sich der Stamm gut an die Bedingungen im Flysch angepasst: Stark schwankende Pegelstände, Wärme, oft niedrigwasser – die Wienerwaldforelle steckt das besser weg als verwöhnte Artgenossen aus den Kalkalpen.

Trübes Wasser in Neulengbach? Kein Problem: Mit Moped oder Fahrrad findet man im oberen Revierteil beste Bedingungen.

Nach einem Gewitterguss in der Nacht war das Wasser in Neulengbach an einem Maitag 2022 stark getrübt. Kein Problem: Ideale Voraussetzungen dem oberen Revierteil wieder einmal größere Aufmerksamkeit zu schenken. Mit meinem treuen Puch-Moped machte ich mich ins Laabental auf, auf der Suche nach den originalen Wienerwald Forellen. und obwohl ich mit einer Spinnrute für Großforellen eigentlich mit ungeeignetem Material unterwegs war, konnte ich in wenigen Stunden mehrere Exemplare des wertvollen Fisches fangen. und natürlich wieder freilassen. Das Angeln mit einem 4-Gramm Spinner in derart kleinen Gewässern ist natürlich etwas für Liebhaber. Aber für Fliegenfischer oder Tenkara-Angler eine lohnende Abwechslung zum Großfisch-Alltag im unteren Abschnitt.

Schon ab Altlengbach ist das Wasser klar. Gute Bedingungen zum Angeln auf die Forellen.
Barben aus der Großen Tulln retten Millionen Fischen das Leben

Barben aus der Großen Tulln retten Millionen Fischen das Leben

Die Barben wurden gefangen, abgestriffen und die Eier in Schalen befruchtet

Wissenschaftler der Boku Wien waren im Mai 2022 an der Großen Tulln auf Goldsuche. Nein, es waren keine Nuggets, hinter denen die Forscher her waren. Der Fischreichtum der Grossen Tulln hat sich bis an die Universität herumgesprochen und darum fischte das Team mit E-Aggregaten nach Barben. Die Weibchen wurden „abgestreift“, Eier in Schalen aufgefangen und mit der Milch der Milchner befruchtet.

Video: Wissenschaftler der Boku fingen Barben und gewannen Eier. Die Larven werden für Strömungsversuche benötigt.

Die Larven aus den Eiern werden in einer Strömungsversuchsanlage in Lunz am See eingesetzt. Es soll untersucht werden wie sich stark schwankende Wasserstände durch Schwallbetrieb an Kraftwerken auf Jungfische auswirkt. Die Ergebnisse sollen erkenntnisse bringen, wie Kraftwerke in Zukunft fischfreundlicher betrieben werden können. Die Barben der großen Tulln helfen somit, Millionen kleinen Fischen das Leben zu retten.

„Beifang“ wie dieser 54 cm Aitel wurden mit Chips markiert und wieder ausgesetzt. Auch die Barben wurden nach dem Abstreifen freigelassen.

Historisch: Nach 100 Jahre laichen Nasen erstmals im Revier Große Tulln I/1

Historisch: Nach 100 Jahre laichen Nasen erstmals im Revier Große Tulln I/1

Das Ei einer Nase auf einem Stein in den neuerrichteten Buhne in Asperhofen.

Ich glaube man muss nicht fischverrückt sein, um zu verstehen dass es etwas Besonderes ist. In den 1920er Jahren wurde die Große Tulln im Raum Asperhofen reguliert. Laichwandernde Fische aus der Donau konnten seit damals nicht mehr in die Region vordringen. Große Wehre versperrten den Weg. Die Populationen an Nasen, Russnasen und Barben begannen genetisch zu veröden und auszusterben.

Video: Auf dieser Furth bei Asperhofen laichten Nasen, Russnasen und Barben.

2021 bauten das Land Niederösterreich, der Wasserverband und der Bund zwei Fischafustiege in Siegersdorf und bei der Ölmühle in Asperhofen. Da die Grosse Tulln der einzig größere Fluss in Niederösterreich ohne bestehenden Kraftwerke oder Mühlen ist, können Fische aus der Donau nun ungehindert rund 20 Kilometer bis Asperhofen aufsteigen. Schon im Vorjahr, nachdem die Fischaufstiege in Abstetten und Plankenberg errichtet wurden, kamen Nasen, Russnasen und Barben in Schwärmen, wie eine Untersuchung des Limnologen Michael Schabuss zeigte.

Die Fischerei konnte insgesamt sieben neue Buhnen mit Kolken und Furthen realisieren.

Trotzdem fehlte es an geeigneten Strukturen. Der Fischforscher formulierte damals knackig: „Es bringt wenig, wenn die Fische vom Pfui ins Gack aufsteigen können.“ Sowas nehmen wir uns zu Herzen. Auf Initiative und aus Mitteln der Fischerei konnten wir insgesamt sieben Buhnen-Kolkstrukturen zusätzlich errichten. Die Buhnen bieten tiefe Unterstände, die Furten oberhalb idealen Platz zum Laichen.

Barben beim Laichen 2022.

Der Aufwand war von erfolg gekrönt. Schon wenige Monate nach der Errichtung nutzten im Frühjahr 2022 zuerst Nasen, dann Russnasen und schließlich Barben die Strukturen zum Laichen. Ein wirklich historischer Moment. Nun ist das Wehr in Asperhofen das Hindernis, das Fischen den Aufstieg bis Emmersdorf versperrt. Derzeit sind Planer in Verhandlungen mit dem Denkmalschutz, wie das Wehr rückgebaut werden kann ohne das historische Ensemble dabei zu zerstören.

Auf der Suche nach der Quelle der Grossen Tulln (Mit Video)

Auf der Suche nach der Quelle der Grossen Tulln (Mit Video)

Die obere Grenze des Fischereirevieres Grosse Tulln I/1 ist in Klamm. Ab hier kann theoretisch auf die Wienerwaldforelle geangelt werden. Das ist aber eher etwas für Spezialisten.

Die Große Tulln entspringt als Laabenbach am Schöpfl, dem höchsten Berg des Wienerwaldes. So wurde uns das in der Volksschule in den 90er Jahren gelehrt. Ein Blick auf Wikipedia zeigt wieder ein anderes Bild. Die Online-Enzyklopädie postuliert: Die Große Tulln ist von der Quelle bis zur Mündung 40 Kilometer lang, hat ein Einzugsgebiet von 218 Quadratkilometer und entspringt am Pass Klammhöhe. Und schaut man auf Google Earth, da ist wieder alles anders. Dort entspringt die Grosse Tulln am Ende des Hendlberggrabens, an der Nordostflanke des Gföhlbergs.

Schöpfl? Klammhöhe? Gföhlberg? Na was denn nun. Eine Frage die man nur mit einem Lokalaugenschein eindeutig klären kann. Und welche Zeit wäre dafür besser geeignet als die Wintersperre des Reviers. Dass gleichzeitig auch eine Faschingssaison in Gange ist, in der es ohnehin wenig zu lachen gibt, ist ein zufälliger Nebeneffekt. Er hat aber dazu geführt, dass wir unsere Expedition zu den Quellen der Großen Tulln mit einem leichten Augenzwinkern angetreten sind.

Nordöstlich der Gföhlberghütte entspringt der wasserreichste Zubringer der Großen Tulln am Ende des Hendlberggrabens.

Trotz einer leichten Brise Schmäh konnten aber auch tatsächlich interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Folgt man immer dem wasserreichsten Hauptzubringer, so landet man tatsächlich am Gföhlberg. Obwohl von der Nord- und Westflanke des Schöpfl zahlreiche Zubringer zu Tale treten, verläuft der Hauptbach entlang der B19 am höchsten Berg des Wienerwaldes vorbei. Kurz vor dem Pass Klammhöhe zweigt der Hauptzubringer dann in den Hendlberggraben Richtung Gföhlberg ab.

Kostprobe aus der Quelle: Eindeutig Grosses Tulln Wasser.

Für uns ist somit klar. Der wahre Ursprung der großen Tulln liegt somit am Gföhlberg. Wir können das mit dem Brustton der Überzeugung sagen, denn: Wir waren dort, haben alles dokumentiert, die Quelle mittels Verkostung eindeutig identifiziert. AlleTheorien von Schreibtischtätern, die anderes behaupten, können wir lächelnd ins Reich der Fabel verweisen. Die Geographie der Region muss also neu geschrieben werden.

Die Schlüsselstelle in Klamm Bärenloch: Ein kleiner Schöpfl-Zubringer von Südosten wird als Laabenbach bezeichnet. Ein noch kleinerer Zubringer kommt aus dem klammgraben.
Das meiste Wasser kommt aus dem Hendlberggraben (links) vom Gföhlberg.
Mit Video: Notbefischung im Jänner 2022: Tausende Fische vor Baggern gerettet

Mit Video: Notbefischung im Jänner 2022: Tausende Fische vor Baggern gerettet

Am 10. jänner 2022 ist es leider soweit: Nach jahrelangem Rechtsstreit wird mit dem Rückbau der Renaturierungsstrecke im sogenannten „Schaubergerpark“ in Neulengbach begonnen. Eine Notabfischung mit Elektro-Aggregaten wurde daher kurz vor den Bauarbeiten notwendig und unter großem Aufwand und Anstrengungen vom Team des Fischereirevieres Grosse Tulln I/1 durchgeführt. (Siehe Video unten)

Video: So lief die Notabfischung: Bevor die Bagger kamen, konnten tausende Fische gerettet werden.

In den vergangenen Jahren hat sich die letzte freie Fließsstrecke an der Grossen Tulln zu einer wilden Naturlandschaft entwickelt. Aus fischereilicher Sicht optimale Strukturen sind entstanden: Tiefe Kolke mit Totholz als Unterstände für Fische. Überströmte Schotterbänke, die von den Wienerwald-Stämmen der Bachforelle zum Laichen verwendet werden.

Die letzte freie Fließstrecke an der Grossen Tulln muss nun nach einem Gerichtsbeschluss rückgebaut werden.

Im Vorjahr konnten Entscheidungsträger davon überzeugt werden, die gerichtlich angeordneten Arbeiten am Rückbau nicht während der Schonzeit der Bachforelle durchzuführen. Denn genau an jenen Stellen, an denen die Bagger eingreifen werden, liegen Laichplätze der Bachforelle, die in diesem Video dokumentiert wurden. Geplant war, die Arbeiten Ende März, nach dem Schlüpfen der Fischlarven zu beginnen.

Bedauerlich: Die Arbeiten werden an jenen Stellen durchgeführt, wo die Bachforellen laichen. Eine ganze Generation ist verloren.

Doch auch ein anderes Tier nutzt das Naturgelände als Kinderstube. Ein brütendes Eisvogelpärchen verhinderte die Bauarbeiten über den Sommer. In letzter Konsequenz mussten die Behörden entscheiden, welches seltene Tier mehr Überlebensrecht hat. Die bedrängte Bachforelle oder der seltene Eisvogel. Die Entscheidung fiel auf den Eisvogel, und so werden die Bauarbeiten nun in der fischereilich sensibelsten Schonzeit durchgeführt. Eine ganze Generation an Bachforellen geht dadurch über viele Kilometer verloren.

Es soll hier nicht die Forelle gegen den Eisvogel ausgespielt werden. Beide Arten sind in Bedrängnis und bedürfen unseres Schutzes. Allerdings fallen diese Entscheidungen allzu oft gegen den Schutz der Fische aus. Fische sind stumm, glitschig, man sieht sie in den seltemsten Fällen. Sie sind nicht possierlich wie Otter, nicht so elegant wie Reiher und nicht so prächtig wie Eisvögel. Aber während all diese Fischfresser höchsten Schutz genießen, wird auf die Interessen der Fische oft nicht der selbe Wert gelegt.

Die Strukturen stellten für das Befischungs-Team eine anstrengende Herausforderung dar.

Wie dem auch sei: Bei den beschwerlichen Abfischarbeiten konnten tausende Exemplare gerettet werden. Schneider, Aitel, Gründlinge, Schmerlen, Rotaugen und wunderschöne Forellen wurden betäubt, gekeschert, in Kübeln zu Hälterfässern gebracht, per Anhänger an mehrere Stellen zwischen St. Christophen und Innermanzing gefahren und dort wieder ausgesetzt. Trotz der Menge der gefangenen Fische fiel aber eine Tatsache auf: Große Muttertiere fehlten völlig.

Tausende Fische wurden umgesetzt. Große Muttertiere wurden aber nicht gefangen.

Da die Strukturen in diesem Bereich an sich perfekt sind und das Gelände fischereilich kaum genutzt wird, gibt es dafür nur eine logische Erklärung: Der Raubdruck in diesem Flussabschnitt ist größer als es die Struktur hergibt. Unter optimalen Bedingungen müssten alle Tiere überleben können: Fische und deren Räuber. Im größtenteils hart regulierten Oberlauf der Grossen Tulln, reichen die wenigen naturnahen Stellen aber offenbar nicht aus, um ein Überleben größerer Fische zu sichern.

Bescheidene Strukturen im an die Donau angebundenen Revierteil mit großer Wirkung

Das Ergebnis der Fischerei zeigt wieder deutlich, wie wichtig die Durchgängigkeit der Flüsse ist. Denn während im unteren Revierteil große Schwärme an Laichfischen in spektakulären Zügen aus der Donau zuziehen (siehe Video), obwohl die Struktur dort wirklich bescheiden ist, sieht man wie selbst beste Strukturen, die nicht ans Gewässerkontinuum angebunden sind, rasch ausdünnen.

Das Wehr in Asperhofen ist denkmalgeschützt. Wird es rückgebaut, sind mit wenig Aufwand große Teile des Flusses an die Donau angebunden.

Aus diesem Grund werden wir vom Fischereirevier Grosse Tulln I/1 weiter Aufmerksamkeit auf die Verbesserung der Durchgängigkeit lenken und innerhalb der bescheidenen Möglichkeiten Strukturverbesserungen in den frei passierbaren Flussstrecken fördern. Auch im Vorjahr kamen wieder einige Kilometer Flusstrecke dazu (Siehe Video). Nun stehen die laichwandernden Donaufische bei einem denkmalgeschützten Wehr in Asperhofen an. Ein Rückbau dieser Anlage hätte enorme positive Auswirkungen, da das nächste Große Wehr erst wieder in Emmersdorf steht. mit einer vergleichsweise kleinen Maßnahme könnte somit ein sehr langer Flussabschnitt an die Donau angebunden werden.

Jahresrückblick 2021: Zwei neue Fischaufstiege, prächtige Forellen und neue Lebensräume

Jahresrückblick 2021: Zwei neue Fischaufstiege, prächtige Forellen und neue Lebensräume

2021 war ein gutes Jahr für die Fische und die Fischerei an der Grossen Tulln. Zwei Wehre wurden rückgebaut und zwei weitere Kilometer des Revieres sind nun frei für Donaufische passierbar.Die Fischerei konnte auch weitere Strukturmaßnahmen in diesem bereich durchsetzen, die neuen Lebensraum und Laichmöglichkeiten bieten.

Neue Fischaufstiege in Asperhofen und Siegersdorf

Neben harter Arbeit gab es aber auch Zeit für ruhige Angelstunden am Wasser und kapitale Fänge. Während der Lockdowns war das Revier auch außerhalb der Kernsaison zur Erholung geöffnet. Ich habe die Baumaßnahmen, die schnsten Fänge und Blicke hinter die Kulissen in einem Jahresrückblick-Video zusammengefasst:

Das Fischereijahr 2021: Meilensteine, harte Arbeit, kapitale Fänge.


Auch heuer ist das Revier von 24. Dezember bis einschließlich 2. 1. zum Altjahresfischen geöffnet. Die Altjahresfischstrecke geht heuer vom Wehr in Asperhofen bis zum Revierende in Plankenberg.Ich werde am 30. 12 nachmittags mit Tee  beim neuen Fischaufstieg in Siegersdorf sein, falls jemand „Hallo“ sagen möchte.


Lizenzen 2022:
Am 16. März startet dann die Saison 2022. Alle Lizenznehmer 2021 haben natürlich das Vorrecht auf eine Lizenz fürs neue Jahr.Bitte teilt mir rechtzeitig mit, wer eine Lizenz will. Alles wird teurer, aber ich habe mich entschlossen, den Lizenzpreis im kommenden jahr nicht anzuheben.Die Karten kosten weiterhin 490 Euro.


Ich freue mich auf schöne Stunden am Wasser, bedanke mich bei allen Unterstützern und Helfern und wünsche Gesundheit, Zufriedenheit und ein fängiges 2022.


Frahe Weihnachten und guten Rutsch!

Operation Äsche: Wiederansiedelungsprojekt einer ausgestorbenen Fischart in der Grossen Tulln

Operation Äsche: Wiederansiedelungsprojekt einer ausgestorbenen Fischart in der Grossen Tulln

Bis in die 80er Jahre gab es eine reproduzierende Population der Äschen in der Grossen Tulln. Die strömungsliebenden Fische kamen bis in die Laaben vor. Raubdruck und einige heisse, trokene Sommer haben den Fisch inzwischen ausgerottet. Im Frühjahr 2021 haben Angler nun Jungäschen ausgesetzt und versuchen so wieder einen Bestand aufzubauen.

Das Video der Äschen-Besatzaktion: Bis in die 1980er Jahre waren Äschen hier heimisch. Durch Raubdruck und trockene Sommer starben die Tiere aus.

Die Klimaerwärmung ist natürlich auch an der Grossen Tulln zu spüren. Heisse und trockene Sommer kommen häufiger vor als in der Vergangenheit. Während sich die heimischen Stämme der Bachforelle relativ gut an diese Bedingungen angepasst haben, so hat ein Fisch besonders gelitten: Die Äsche.

Schwer zu erkennen: Die Äschenbrütlinge sind etwa 2-3 cm groß. Die Hoffnung, dass sie sich vermehren stirbt zuletzt. der Besatz wird ab sofort jährlich wiederholt.

Noch gar nicht so alte Angler können sich noch gut erinnern, den strömungsliebenden Fisch bis in die 80er Jahre in Innermanzing oder der Laaben geangelt zu haben. Inzwischen sind Äschen hier gänzlich ausgestorben. Verstärkter Raubdruck durch Vögel und Otter haben ebenfalls dazu beigetragen, da die Äsche sich nicht wie die Forellen in Steinritzen versteckt sondern gut Sichtbar in der Flussmitte lebt.

Bislang sind zwar im unteren Revierteil massenhaft Donaufische zurückgekehrt, Äschen waren aber noch keine dabei. Daher haben wir uns spontan entschlossen, Äschen-Brütlinge eines Stammes aus der Ybbs versuchsweise einzusetzen. Das Projekt erfolgte im Bereich der Autobahnbrücke unterhalb der Lengbachl-Mündung in Altlengbach. Experten sind zwar skeptisch ob sich die Population dauerhaft etablieren kann. Mit etwas Glück und einigen ”guten“ Sommern mit regelmäßigem Niederschlag könnte das Projekt gelingen. Von Vorteil könnte dabei sein, dass inzwischen die gesamte Große Tulln oberhalb von Neulengbach durchgängig ist, und die Äschen so leichter in geeignete Stellen abwandern können, wenn die Bedingungen kritisch sind.

Im unteren Bereich des Anzbach und in der grossen Tulln zwischen Steghofbrücke und Emmersdorf wurden junge Regenbogenforellen besetzt. Die Aktion erfolgte zusätzlich zum gewohnten Besatz der Fangfähigen Fische.

Im Zuge des Äschenbesatzes wurde auf Höhe Neulengbach auch ein zweiter „Versuchsballon“ steigen gelassen. Zusätzlich zu den maßigen ”Put & Take“ Forellen die jährliuch besetzt werden, wurden heuer 1000 junge Regenbogenforellen ausgesetzt. Bislang gibt es keine Reproduktion der jahrzehntelang ausgesetzten Regenbogenforellen in der Großen Tulln. Die ausgesetzten Jungfische stammen ebenfalls von einem Stamm aus der Ybbs, der sich als einer der ersten in Österreich nachgewiesener Maßen reproduziert hat.

Die 1000 Jungregenbogenforellen waren etwa 4-5 cm groß. Sie stammen von einer population ab, die sich in Österreich in der Ybbs nachweislich reproduziert

Wir werden auf der Versuchsstrecke zwischen Steghofbrücke und Emmersdorfer Wehr sowie im Anzbach bis zur 3. Brücke beobachten, ob und wie sich die jungen Regenbogenforellen entwickeln. Angler, die untermaßige Regenbogenforellen am Haken haben, werden gebeten, diese vor dem Zurücksetzen zu fotografieren und die Informationen an einen Aufseher weiterzuleiten. Auch bei eventuellen Fängen von Jungäschen bitten wir in Zukunft Ort, Zeit und Bild an einen der Aufseher weiterzuleiten.

Mega-Schwarm: Barben und Russnasen am Weg ins Fischerreirevier Grosse Tulln I/1

Mega-Schwarm: Barben und Russnasen am Weg ins Fischerreirevier Grosse Tulln I/1

Geschichten, welche die Fischhwärme in der Grossen Tulln enthusiastisch mit der Lachswanderung in Kanada verglichen, wurden hier oft belächelt. Es kann sich eben niemand so richtig vorstellen, welche massen an Donaufischen selbst in hart regulierte Zubringer aufsteigen, wenn Querbauwerke wie Wehre entfernt werden. Jubelmeldungen über Schwärme von Nasen, Barben und Russnasen wurden als Fischerlatein abgetan.

Das Video belegt: Schwärme von hunderten Donaufischen in der Grossen Tulln sind keine Erfindung von enthusiastischen Anglern.

Zeit einmal den Gegenbeweis anzutreten. Und zwar mit echten Videobildern, welche die Dimension belegen. Im Frühjahr 2021 entstanden einzigartige Drohnenaufnahmen des Laichzuges der Donaufische in der Großen Tulln. Während in unstrukturierten Abschnitten kaum Fische zu sehen sind, genügt die kleinste Struktur, damit hunderte Tiere dort Zwischenrast auf ihrem Weg zu den Laichgründen machen.

Die Buhne in Plankenberg von unten: Während nicht strukturierte Abschnitte leer sind, ”türmen“ sich hier die Fische.

Was auch zu beobachten war: Die Fische steigen zwar in wirklich großer Zahl auf, geeignete Stellen zum Ablaichen sind also Mangelware. Es ist also noch einiges an Renaturierungsarbeit zu leisten, um bessere Bedingungen zu schaffen. limnologe Michael Schabuss formulierte es treffend: „Es bringt wenig wenn man nur Querbauwerke entfernt und die Fische dann vom ,Pfui‘ ins ,Gack‘ aufsteigen.“ Wir werden weiter daran arbeiten, dass auch bei den kommenden Rückbauten der Wehre in Siegersdorf und bei der Ölmühle in Asperhofen zusätzliche Strukturen entstehen, welche den Fischen das Laichen ermöglichen und Unterschlupf bieten.

Schneeforellen, Steckerlfisch und Nasenlaichzug. Statusbericht März/April 2021

Schneeforellen, Steckerlfisch und Nasenlaichzug. Statusbericht März/April 2021

Auch heuer wieder war das Revier Große Tulln I/1 als Lockdown-Ausgleichsmaßnahme bereits ab 16. März geöffnet. Und der Rückblick auf März und April könnte abwechslungsreicher nicht sein. Von Schneeangeleien, kapitalen Bachforellen, gierigen Junghechten bis zum Laichzug der Nasen war alles dabei, was das Anglerherz höher schlagen lässt. Das alles bei optimaler Wasserführung. Hier ein Statusbericht in Bildern.

Schneeangelei Ende März im Schaubergerpark auf die Wienerwald-Forelle.
Auch das Abfisch-Mobil unseres Kollegen Fritz Brückler musste für einen Einsatz erst freigeschaufelt werden.
Die erste Bachforelle der Saison ging in Plankenberg an den Haken.
Ein wirklich feudales Abendessen
Wenige Tage später der nächste kapitale Fang. So viele kapitale Bachforellen wie heuer wurden selten gefangen.
Auch Tageslizenznehmer waren erfolgreich. Wolfgang Gätz angelte diesen „Pracker“ mit 48 cm und 1,3 Kilogramm.
Aber auch unsere beiden Lieblingsfischarten waren beißfreudig. Hier ein Schöner Aitel und ein noch schönerer Döbel 😉
Sie wurden noch am selben Abend als Steckerlfische zubereitet. Wirklich köstlich.
Beim Forellenangeln in Siegersdorf machte sich dieser Hecht am Forellenspinner zu schaffen. Glücklicherweise war er so sauber gehakt, dass er das dünne Vorfach nicht durchtrennte. Er wurde natürlich zurückgesetzt.
Seit 21. April zogen auch wieder große Schwärme von Nasen über den Fischaufstieg in Plankenberg. Sie sind inzwischen über den gesamten unteren Revierteil bis Siegersdorf vorgedrungen, Auch Barben kommen schön langsam, hier machen die Donaufische in den vom Landesfischereiverband und vom Revierverband finanzierten Buhnen in Plankenberg Rast.
Ein Video des „Korallenriffs“ in der großen Tulln werde ich in den kommenden Tagen erstellen.
Die Buhnen dienen nicht nur Großfischen wie Nase und Barbe als unterschlupf, auch der ganzjährig geschonte Schneider besiedelt die Struktur in großen Schwärmen (Hintergrund)
Was machen die Fische im Winter? Coronaparty im Revier!

Was machen die Fische im Winter? Coronaparty im Revier!

Derzeit ruht die Fischereisaison, ab 16. März öffnet das Revier Große Tulln I/1 die Saison 2021. Damit die Zeit bis dahin schneller vergeht, haben wir einmal nachgesehen, was die Fische im Revier derzeit eigentlich so treiben. Und es sind sensationelle Unterwasseraufnahmen vom Winterquartier der Donaufische, die in unser Revier aufgestiegen sind, gelungen.

Video vom Winterquartier der Donaufische im Revier.

Die gute alte Gopro wurde im Jänner im berüchtigten „Nasenloch“ versenkt. Die Stelle wird hier nicht geoutet, ist Lizenznehmern aber bekannt, da hier immer wieder gute Fänge an den haken gehen. Und nach der Bergung der Kamera zeigte sich am Chip, wie groß die Dichte an Fischen hier ist. Zahlreiche Arten drängeln sich dort dicht an dicht. Fast so als ob die tiere dort eine Party feiern würden. Weitgehend unbemerkt von den Spaziergängern, die sich hier am Höhepunkt des Lockdowns die Füße vertreten.

Entspannungsübung: Wie viele Arten und Individuen sind im Video zu sehen?

Die Aufnahmen bestätigen das Ergebnis einer wissenschaftlichen Befischung unweit dieser Stelle. Limnologe Michael Schabuss war im September überrascht, wie viele Fische in diesem schlecht strukturierten Abschnitt der Großen Tulln gefangen wurden. Siehe Beitrag hier. Und die Aufnahmen bestätigen auch, wie erfolgreich der Rückbau von Wehranlagen ist. Seit Fische ungehindert von der Donau ins Revier aufsteigen können, haben sich tausende Individuen auch von neuen Arten angesiedelt.

Im Sommer ist daher geplant zwei weitere Wehre rückzubauen. Danach können die Fische bis zum Wehr in Asperhofen ungehindert aufsteigen. Bis dahin genießen wir die Bilder der Fische in ihrem Winterquartier. Wer Lust hat kann versuchen die einzelnen Arten zu bestimmen und zu schätzen wie viele Individuen sich dort tummeln. Ist auch eine gute Übung zur Beruhigung in unruhigen Zeiten, in denen Angststörungen Depressionen und Angststörungen stark zunehmen. Auch Angeln kann dagegen helfen. Informationen über Lizenzen finden Sie hier.